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Der Wert der Unabhängigkeit in der Beratung
Flash #43, 11. September 2025
Gute Beratung setzt – wie im Flash 9 ausgeführt – Unabhängigkeit und Kompetenz des Beraters voraus. Unabhängigkeit hat man oder man hat sie nicht. Kompetenz kann man aufbauen oder einkaufen (wobei beim Einkauf bzw. bei Delegation darauf zu achten ist, dass die Unabhängigkeit gewahrt bleibt).
Der Nutzen der Unabhängigkeit ist aus der Sicht der beratenen Person ein Doppelter:
- Interessewahrende Strategieentscheide: Für Privatpersonen stellen sich über den Lebenszyklus zahlreiche Vorsorge-, Anlage- und Finanzierungsentscheide strategischer Natur. Soll ich Aktien, Obligationen oder Bitcoin kaufen? Soll ich ein Haus bauen oder mieten? Soll ich bei Pensionierung Kapital oder Rente beziehen? Ein Berater, der über eigene Anlage- oder Versicherungsprodukte verfügt oder Rückvergütungen von Dritten erhält, wird Ihnen kaum die Rente empfehlen – auch wenn dies für Sie die beste Entscheidung wäre.
- Interessewahrende Umsetzungsentscheide: Sobald Vorsorge-, Anlage- und Finanzierungsentscheide gefällt sind, müssen entsprechende Produkte und Dienstleistungen gewählt werden. Eine interessenwahrende Umsetzung bedeutet, dass die Auswahl transparent und unter Wettbewerbsbedingungen erfolgt. Ein Berater mit eigenem Produkt- und Dienstleistungsangebot wird Ihnen jedoch selten den Weg in den Markt oder Wettbewerb zeigen, sondern eher Produkte empfehlen, an denen er selbst verdient.
Jüngst wird intensiv diskutiert, ob Pensionskassen aktiv Beratung anbieten sollen, auch wenn dies zumindest im Kern nicht ihrem gesetzlichen Leistungsauftrag entspricht. In einem Artikel schreiben Hofmann und Ulrich, dass Pensionskassen nicht von Natur aus unabhängiger seien als andere Finanzdienstleister. Das ist jedoch nicht korrekt: Pensionskassen sind gesetzlich als nicht gewinnorientierte Finanzinstitute ausgestaltet. Gerade aufgrund dieser Non-Profit-Struktur sind sie prädestiniert, unabhängige und damit werthaltige Beratung anzubieten.
Der Hinweis der Autoren auf sogenannte Pensionierungsverluste ist grundsätzlich richtig. Diese können dazu führen, dass eine Rente aus Sicht einer Pensionskasse teurer ist als ein Kapitalbezug. Die flächendeckende Senkung der Umwandlungssätze sowie Anpassungen der Vorsorgeleistungen haben jedoch dazu geführt, dass diese Pensionierungsverluste heute nur noch ein Randproblem in der zweiten Säule darstellen.
Takeaways
- Unabhängigkeit ist das matchentscheidende Kriterium für gute Beratung.
- Wo Unabhängigkeit drauf steht, ist nicht immer Unabhängigkeit drin.
- Pensionskassen sind prädestiniert, unabhängige und damit hochwertige Beratung anzubieten.
Takeaways
- Unabhängigkeit ist das matchentscheidende Kriterium für gute Beratung.
- Wo Unabhängigkeit drauf steht, ist nicht immer Unabhängigkeit drin.
- Pensionskassen sind prädestiniert, unabhängige und damit hochwertige Beratung anzubieten.
