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Anlagestrategie: Aktienallokation – Wieviel Home Bias?
Flash #24, 3. April 2025
Wie hoch soll der Anteil des heimischen Aktienmarktes im Aktienportfolio sein? Eine knifflige Frage, auf die es keine klare Antwort gibt.
Spätestens im Laufe des letzten Jahres mehrten sich die Stimmen in der Wirtschaftspresse, die – angesichts der sprunghaften Entwicklung des US Aktienmarktes – eine Einschränkung bzw. ein Verzicht auf einen Home Bias für Schweizer Anleger propagieren. Deren Hauptargumente:
- Mit dem Kredo «Diversification is the only free lunch!» übernimmt man für die Aktienaufteilung die globalen Marktkapitalisierungsverhältnisse. Damit entfällt auf den Schweizer Aktienmarkt gerade mal ein Anteil von 2.1%.
- Der Schweizer Aktienmarkt ist geprägt von Sektorkonzentration (zu Pharma & Finanz) und Klumpenrisiken: Nestle, Roche und Novartis machen rund 50 Prozent der Marktkapitalisierung des Schweizerischen Aktienmarktes aus.
- Der Schweizer Aktienmarkt ist gesättigt und es fehlt an Unternehmen in innovativen Wachstumsbranchen. Dieses Argument hat angesichts der schwindelerregenden Kursentwicklung der «magnificent 7» eine wachsende Gefolgschaft gefunden – trotz Gegenbewegung im ersten Quartal 2025.
Trotz des Rückenwindes, den die «Home Bias»-Gegner aufgrund der Mehrrendite des globalen Aktienmarktes in der letzten Dekade verspüren, hält sich in vielen Schweizer Anlegerportfolios – auch solchen grosser Pensionskassen – die Übergewichtung des Heimmarktes hartnäckig. Auch dafür gibt es durchaus gute Gründe:
- Das Währungsrisiko lässt sich trotz internationaler Ausrichtung vieler Schweizer Konzerngesellschaften besser kontrollieren.
- Die tieferen Kursschwankungen sowie die langfristige Renditebetrachtung sprechen für den Schweizer Aktienmarkt.
- Value-Investoren aufgepasst: Schweizer Aktien sind – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis – erheblich günstiger zu haben als globale Aktien.
- Für steuerpflichtige Privatanleger resultiert selbst bei steueroptimaler Umsetzung eine zusätzliche Dividendenbesteuerung. Im Jahr 2024 macht diese immerhin 0.23% aus.
Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit für institutionelle Anleger erachten wir einen Home Bias – je nach Gewichtung der Argumente – im Bereich von 0 Prozent bis 50 Prozent als vertretbar. Bei der Zusammensetzung der Economico Standardportfolios haben wir uns auf einen Home Bias von 40 Prozent festgelegt, wobei heimmarkt-affine Anleger auch die Möglichkeit haben, die Auslandsegmente «wegzuklicken».
Takeaways
- Die Frage «Wieviel Home Bias» bei den Aktien erlaubt verschiedene Antworten.
- Warren Buffet’s Beitrag zum Thema: Schaut auch aufs Bewertungsverhältnis.
Takeaways
- Die Frage «Wieviel Home Bias» bei den Aktien erlaubt verschiedene Antworten.
- Warren Buffet’s Beitrag zum Thema: Schaut auch aufs Bewertungsverhältnis.
